Liebe Gemeinde!
„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ (Mt 10,8) Wir leben in einer Zeit, in der fast alles seinen Preis hat – Aufmerksamkeit, Daten, Beziehungen, ja selbst Sinn. „Was bringt mir das?“ ist für viele zur Leitfrage geworden. In diese Denkweise hinein spricht Jesus ein radikal anderes Wort: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Jesus sieht die Menschen „müde und erschöpft wie Schafe ohne Hirten“. Wie aktuell klingt das auch heute: Leistungsdruck, Vereinzelung und ständige Beschleunigung hinterlassen Spuren. Viele funktionieren nach außen – innerlich aber fühlen sie sich leer und heimatlos. Mitten hinein sendet Jesus seine Jünger – keine perfekten Menschen, sondern Menschen mit Brüchen. Er gibt ihnen keine Strategie, sondern eine Haltung: Was ihr selbst unverdient empfangen habt – Würde, Vergebung und Hoffnung – das gebt weiter. „Umsonst“ heißt nicht wertlos, sondern kostbar: Liebe, die nicht rechnet, Zuwendung, die nicht fragt, ob sie sich lohnt. Papst Franziskus erinnert uns: „Niemand wird gerettet allein.“ Wir brauchen einander. Wo Menschen einander tragen, helfen und zuhören, wird Gottes Nähe spürbar. Wie das Tote Meer Wasser empfängt, aber keinen Abfluss hat, so kann dort kaum Leben gedeihen. Was nur gesammelt und festgehalten wird, gerät mit der Zeit in Stillstand. Ähnlich ist es auch mit dem menschlichen Herzen: Wer nur nimmt und nichts weitergibt, wird innerlich arm. Wo Menschlichkeit fließt, wachsen Liebe und Leben. Jede und jeder von uns ist nicht nur Empfänger, sondern auch Geber – vielleicht ganz unscheinbar durch Zeit, Geduld oder ein offenes Ohr. In einer positiv gelebten Kultur der Gegenleistung wird unentgeltliche Güte zu einem prophetischen Zeichen. Vielleicht ist das die eigentliche Mission dieses Sonntags: neu zu entdecken, was wir längst empfangen haben, und es nicht ängstlich festzuhalten, sondern herzlich weiterzugeben. Die Welt darf kein Ort bloßer Konkurrenz sein. Sie muss ein Raum der Gabe bleiben. „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Ein Satz gegen die Logik des bloßen Nutzens. Ein Satz für die Würde des Menschen. Ein Satz, der unser Leben verändern kann – wenn wir ihn leben. Der große französische Philosoph Emmanuel Levinas erinnert daran: „Der Mensch findet sich nur im Anderen!“ Lasst uns daher kein Totes Meer sein, sondern lebendige Menschen, in denen Liebe, Güte und Hoffnung weiterfließen. Umsonst haben wir empfangen – umsonst wollen wir geben. In diesem Sinne, bitte passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund und gesegnet!
Mit Liebe und Gottessegen, Ihr/Euer Pater Tom










