Liebe Gemeinde!
In der vergangenen Woche wurden die jährlichen Kirchenaustrittszahlen veröffentlicht. Sowohl in der Stadt Münster, als auch im Bistum und in ganz Deutschland haben 2025 etwas weniger Menschen unserer Gemeinschaft den Rücken gekehrt als 2024. Wenn ich mir die kirchliche „Begleitmusik“ dazu anhöre, bin ich allerdings hin- und hergerissen. Auf der einen Seite finde ich es richtig, nicht nur auf die negativen Aspekte zu schauen und kann es nachvollziehen, wenn der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Wilmer, betont, dass die Zahl der Sakramentenspendungen stabil bleibt oder unser Bistum stolz verkündet, dass es immer noch das mitgliederstärkste in Deutschland sei. Auf der anderen Seite ist eine Aussage wie der von Bischof Wilmer genannte Satz „Jeder Austritt schmerzt“ in meinen Augen doch etwas kraftlos. Die katholische Kirche hat in Deutschland in etwa so viele Mitglieder verloren, wie die Stadt Münster insgesamt Einwohner hat. Alleine in Münster sind in etwa so viele Menschen ausgetreten, wie bei uns die Gemeinde St. Stephanus hat. In einem Jahr! Die Frage ist, ob mich das umtreibt, oder ich es einfach hinnehme? Meine Erfahrung aus Gesprächen mit Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, zeigen, dass die Gründe sehr vielschichtig sind. Mal sind es konkrete Ursachen vor Ort, in unserer Pfarrei, mal ist es das Geld, mal der Umgang mit dem Thema der sexualisierten Gewalt. Und es gibt auch den Grund, dass Menschen merken, dass sie ihren Glauben „verloren“ haben. Anders, als manche Menschen behaupten, gibt es nicht DEN Grund für den Austritt, und so gibt es auch nicht das eine Rezept dagegen. Und auch einfach ein „Mehr“ an Angeboten kann es, denke ich, nicht richten, sondern das führt doch eher in die Überforderung. Manche Menschen haben nach dem Brief, den sie von uns zum Kirchenaustritt bekommen, gesagt, das wäre das erste Mal seit Jahren, dass sich die Gemeinde bei ihnen gemeldet hätte. Wäre vorher mehr Interesse dagewesen, hätten sie es sich vielleicht überlegt. Daher mein Wunsch bzw. meine Bitte an Sie: Wenn Sie auch zu den Menschen gehören, die sich mit dem Gedanken eines Austritts befassen – sprechen Sie mit uns. Sprechen Sie mit jemandem aus dem Seelsorgeteam, mit jemandem aus der Gemeinde, den sie kennen, dem sie vertrauen. Nur wenn wir als Pfarrei mitbekommen, was Sie umtreibt, haben wir auch eine Gelegenheit, darauf zu reagieren. Und wenn Sie zu den Menschen gehören, die mit Freude Christ in dieser Kirche sind: Danke dafür, strahlen Sie es aus, lassen sie es andere wissen, denn so sind Sie glaubwürdige Zeuginnen und Zeugen,
meint Ihr Pastoralreferent Hendrik Werbick









