Liebe Gemeinde!
Erntedank ist der eine Tag im Jahr, an dem Kartoffeln, Äpfel, Karotten und Kürbisse einen Ehrenplatz in der Kirche bekommen. Die Gaben liegen in Hülle und Fülle vor dem Altar. Dabei geht es gar nicht um die Kürbisse. Es geht um uns. Wir leben in einer Zeit, in der wir fast alles sofort bekommen können. Wenn wir Hunger haben, bestellen wir Essen. Wenn wir etwas wissen wollen, fragen wir das Handy. Und wenn der Internetzugang fehlt, haben manche schon das Gefühl, die Zivilisation sei zusammengebrochen. Da tut Erntedank gut. Denn dieses Fest erinnert uns daran: Nicht alles kommt auf Bestellung. Nicht alles kommt aus dem Supermarkt. Hinter jedem Brot stehen Menschen, Arbeit, Sonne, Regen und letztlich Gottes Segen. Manchmal sind wir Experten darin, zu sehen, was fehlt. Die Preise sind zu hoch, das Wetter zu schlecht, der Urlaub zu kurz und das Smartphone schon wieder veraltet. Aber Dankbarkeit verändert den Blick. Sie fragt nicht zuerst: „Was habe ich nicht?“, sondern: „Was ist mir eigentlich alles geschenkt?“ Und wenn wir ehrlich sind, gibt es da eine ganze Menge: Menschen, die uns mögen, obwohl sie uns kennen. Kinderlachen. Gesundheit. Einen Platz zum Wohnen. Ein Fahrrad. Da darf man schon über ein Wunder nachdenken. Und vielleicht gehen wir heute mit einem einfachen Gedanken nach Hause: Für vieles kann ich nichts. Weder dafür, dass die Kartoffeln gewachsen sind, noch dafür, dass die Äpfel gereift sind. Ich habe zwar gelegentlich versucht, Tomaten durch gutes Zureden schneller wachsen zu lassen, aber der Erfolg war überschaubar. Deshalb dürfen wir heute einfach Danke sagen. Erntedank lädt uns ein, das Gute nicht als selbstverständlich abzuhaken. Denn wer dankbar lebt, hat nicht mehr als andere. Er entdeckt nur mehr von dem, was längst da ist.
Ihr Pastoralreferentin Claudia Wonka










