Liebe Gemeinde!
Woran messen wir den Wert unseres Besitzes? Das Evangelium dieses Sonntags (Mt 20,1–16) offenbart uns einen Gott, dessen Großzügigkeit keine Grenzen kennt. Wer eine solche Großzügigkeit erfahren hat, kann den Gaben, die ihm anvertraut sind, nicht gleichgültig gegenüberstehen. Ehrliche Arbeit verdient Anerkennung, doch was wir besitzen, entfaltet seinen wahren Wert erst dann, wenn es für andere zum Segen wird. Vor einiger Zeit bin ich auf eine Geschichte gestoßen, die diese Wahrheit auf eindrucksvolle Weise verdeutlicht. Ein reicher Mann beklagte sich bei seinem Freund: „Die Menschen nennen mich geizig und habsüchtig. Dabei habe ich doch in meinem Testament verfügt, dass nach meinem Tod mein gesamtes Vermögen einer wohltätigen Einrichtung zufallen soll.“ Sein Freund antwortete mit einer Geschichte. Ein Schwein kam zum Schaf und jammerte: „Die Menschen sprechen immer nur von deiner Güte. Zugegeben, du gibst ihnen Wolle. Aber ich liefere ihnen Schinken, Speck, Borsten und vieles mehr. Warum mag mich trotzdem niemand?“ Das Schaf dachte einen Augenblick nach und sagte: „Vielleicht liegt es daran, dass ich gebe, solange ich noch lebe.“ Was für eine tiefgründige Antwort! Warum sollten wir unsere Hände erst im Tod öffnen? Wie ein altes Sprichwort sagt: „Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Psychologisch betrachtet befreit Großzügigkeit uns von der Angst, etwas zu verlieren, und schenkt Freude und inneren Frieden. Soziologisch stärkt jedes Teilen den Zusammenhalt in Familien, Freundschaften und Gemeinschaften und macht unsere Gesellschaft menschlicher und solidarischer. Theologisch erinnert uns der Glaube daran, dass alles, was wir haben, zunächst ein Geschenk Gottes ist – uns anvertraut, nicht nur zum Besitzen, sondern vor allem zum Teilen. Gott schenkt uns Zeit, Talente, Beziehungen und materielle Güter nicht einfach, damit wir sie anhäufen, sondern damit wir durch sie seine Großzügigkeit sichtbar machen. Am Ende unseres Lebens wird nicht die entscheidende Frage sein: „Wie viel habe ich angesammelt?“, sondern vielmehr: „Wie viel Liebe habe ich mit dem geteilt, was Gott mir anvertraut hat?“ Möge das Evangelium dieses Sonntags uns dazu inspirieren, gewissenhaft zu arbeiten, dankbar zu empfangen und großzügig zu teilen. Dann arbeiten wir nicht nur im Weinberg Gottes, sondern lassen auch sein großzügiges Herz in unseren Familien, in unserer Pfarrgemeinde und in unserer Gesellschaft sichtbar werden. „Denn im Geben empfangen wir.“ – Franz von Assisi
In diesem Sinne, bitte passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund und gesegnet!
Mit Liebe und Gottessegen, Ihr/Euer Pater Tom.










