Liebe Gemeinde!
Der Schock über die Wahl in Sachsen-Anhalt sitzt tief. Kommentare, Analysen, Beschuldigungen und vieles mehr schießen seit vergangenem Sonntagabend aus dem Kraut. Vieles von dem ist sicher bedenkenswert. Und gleichzeitig vergessen wir Deutschen häufig, dass es sich beim Aufkommen politischer Populismen, Fundamentalismen und auch rechtsextremer Strömungen – in aller Unterschiedlichkeit und bisweilen auch Unvergleichbarkeit – um ein internationales, ja globales Phänomen handelt. Es wird durch die absolute Freigabe fast wirklich jeder Meinungsäußerung über Social Media noch verstärkt. Zugleich sitzt eben dort auch eine Erklärung, um zu verstehen, was hier geschieht. Der tschechische Religionsphilosoph Tomas Halìk sprach schon vor einigen Jahren von einem „Scheitern der Globalisierung“. Er meinte damit, dass eine erträumte Weltgesellschaft ohne Grenzen und in Verwischung verschiedener Identitäten viele Menschen ablehnen, unter anderem, weil es sie überfordert. Politikerinnen und Politiker stehen vielmehr in der Herausforderung, eine „Glokalisierung“ – wie es in der Sozialethik heißt – möglich zu machen: Lokale Verwurzelung bei gleichzeitig globaler Offenheit. Ob allerdings dies den komplexen gesellschaftlichen Prozessen wirklich gerecht werden kann, bleibt freilich eines Nachweises schuldig. Ohne zu beschwichtigen oder Dinge klein zu reden, muss man auch sagen, dass gerade populistische Ansätze häufig – entgegen eigener Versprechungen – an eben jener Komplexität scheitern: In Ungarn und den Niederlanden wurden sie wieder abgewählt und in den USA fürchtet Donald Trump zurecht die anstehenden Midterm-Wahlen. Wir Christinnen und Christen können in einer solchen Situation wahrscheinlich vor allem in unserem Alltag mit dafür sorgen, dass verkürzte Deutungen, einfache Lösungsversprechungen oder Diskriminierungen jeder Art keinen Raum bekommen. Überall, wo Dinge auf einmal ganz glasklar sind und eine vermeintliche Lösung direkt auf der Hand zu liegen scheint, sollten wir auf der Hut sein. Auch wenn Komplexität überfordern kann, die einfachste Lösung ist bekanntlich nicht immer die beste.
Ihr Jan Loffeld










