Liebe Gemeinde!
Am Dienstag gab es weißen Rauch in Würzburg: Die Deutsche Bischofskonferenz hatte einen neuen Vorsitzenden gewählt. Ein Amt, das als das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland gilt. Es wurde der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. Die deutschen Bischöfe sind dabei offenbar derselben Intuition gefolgt, wie auch die Kardinäle bei der Papstwahl von Papst Leo im vergangenen Jahr: Sie haben nicht nur einen Ordensmann gewählt, sondern insbesondere jemanden, der einmal Generaloberer seines Ordens gewesen ist. Diese Funktion bedeutet, dass jemand einerseits lange in Rom gelebt hat und zugleich durch die ganze Welt gereist ist, um die internationalen Niederlassungen seines Ordens regelmäßig zu besuchen. Die katholische Kirche ist vor allem in ihrer römischen Zentrale aber auch durch das Netz weltweiter Orden schon immer ein Globalplayer gewesen. Kein Staat der Welt verfügt beispielsweise über eine solch ausgefeilte Diplomatie, wie der Vatikan, da er bis auf Ortsebene überall vernetzt ist. Die Wahl von Papst Leo ebenso wie von Bischof Heiner Wilmer bedeutet, dass die Kirche ihre Globalplayer-Kapazitäten inmitten einer globalen Welt, in der die Globalisierung auf vielerlei Weise durch neue Nationalismen infrage gestellt wird, nutzt. Für die Kirche in Deutschland heißt die Wahl Wilmers, jemand mit römischer Ortskundigkeit an ihrer Spitze zu wissen. Dies meint in Zeiten von Google Maps weniger eine geographische Ortskenntnis als vielmehr eine kulturelle. Deutsche fallen etwa gern bei Anliegen, die sie vernunftgesteuert und rational als richtig erkannt haben, mit der Tür ins Haus. In Rom geht das anders. Man bahnt sich an: Über einen gemeinsamen Kaffee oder über jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt. Es ist also für die Kirche in Deutschland positiv, jemanden mit überregionaler Kulturkenntnis an ihrer Spitze zu wissen. Und jemanden, der als Bischof von Hildesheim ein Bistum leitet, das immer schon das war, was uns ins Haus steht: eine Diaspora. Daher dürfen wir dankbar sein für die Wahl der Bischöfe und das Wirken ihres neuen Vorsitzenden mit Wohlwollen und unserem Gebet begleiten.
Ihr Pastor Timo Holtmann










