Liebe Gemeinde!
Seit 3,5 Wochen ist die St.-Anna-Kirche nun geschlossen – am Silvesterabend haben viele Gottesdienst-Besucher noch geholfen, alles aus der Kirche hin auszuräumen, was wir an anderen Stellen vielleicht gebrauchen können. Seitdem feiert die Gemeinde die Gottesdienste entweder im Pfarrsaal, in der evangelischen Kirche in Mecklenbeck oder aber zusammen mit der Gemeinde St. Stephanus. Nicht zuletzt die Messdienerinnen und Messdiener aus St. Anna, die an allen drei Orten präsent waren, haben dabei geholfen, dass sich die Gemeinde gleich heimisch gefühlt hat. Die Schließung hat dazu geführt, dass mich viel mehr Menschen als sonst auf die Kirche angesprochen haben. Sie wollten wissen was los ist, wie es jetzt weiter geht und ob die Kirche noch einmal wieder geöffnet wird und vieles mehr. Ich denke, daraus spricht das bekannte Gefühl, dass man etwas erst zu schätzen weiß bzw. weiß, was man verloren hat, wenn es nicht mehr da ist. Ich weiß dann nicht, ob ich mich mehr darüber freuen soll, dass auch Menschen, die wenig mit der Gemeinde zu tun haben (und z.T. auch nicht katholisch sind) Anteil daran nehmen – oder ob ich traurig sein soll, weil es dazu der Schließung bedurfte. Ich entscheide mich in der Regel für Ersteres. Bei allem Rückgang an Zahlen, Personen und Bedeutung, die wir als Kirche beklagen, macht es mir noch einmal deutlich, dass da draußen mehr als die knapp 3% Gottesdienst-Besucher sind, für die wir da sind und für die wir einen Auftrag haben und auch irgendeine Bedeutung. Denn: Wenn wir als Kirche diesen Menschen egal wären, würden sie sich keine Gedanken über „unsere“ Kirche machen, die eben auch „ihre“ Kirche ist. Verstehen Sie mich nicht falsch: Wenn Sie das hier lesen, gehören Sie wahrscheinlich zu den 3%, und über die freue ich mich sehr. Aber die Schließung der Kirche ist für mich auch ein Anlass, noch einmal darüber nachzudenken, was mit den anderen 97% der Katholiken ist. Was wollen, wünschen und brauchen diese Menschen? Denn es gibt – etwas überspitzt gesagt – ja einen Grund, warum diese Menschen NICHT aus der Kirche austreten. Warum sie der Gemeinde bzw. Pfarrei verbunden bleiben, ohne dass sie regelmäßig unsere Angebote nutzen. Sollten Sie zu diesen Menschen gehören, würde ich mich freuen, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen, um zu hören, was Sie bewegt. Denn es gibt eben mehr als eine Form, seinen Glauben zu leben und zu feiern, das macht mir diese Exils-Zeit noch einmal deutlich –
meint Ihr Pastoralreferent Hendrik Werbick










