Liebe Gemeinde!

Wer morgens eine Kita betritt, merkt schnell: Hier ist Leben: Jacken werden ausgezogen, Brotdosen gesucht, Stimmengewirr, erste Tränen, erstes Lachen… Eigentlich nichts Außergewöhnliches – und doch entsteht hier jeden Tag etwas ganz Besonderes. Kinder bringen nicht nur ihre Rucksäcke mit in die Kita, sondern auch ihre Freude, ihre Ängste, ihre Fragen. Sie kommen so, wie sie sind. Und genau darin liegt bereits eine tiefe Nähe zum christlichen Glauben. Kinder vertrauen. Oft ganz selbstverständlich. Sie glauben daran, dass jemand da ist, der sie auffängt, der ihnen zuhört, der es gut mit ihnen meint. Dieses Grundvertrauen ist ein Schatz – und zugleich eine besondere Aufgabe für alle, die Kinder auf ihrem Weg begleiten. Auch unser Glaube lebt von diesem Vertrauen: von der Hoffnung, dass Gott da ist, auch wenn wir ihn nicht sehen, dass er uns hält, gerade dann, wenn wir unsicher sind oder stolpern. Manchmal wirkt die Arbeit in einer Kita von außen selbstverständlich. Kinder spielen, basteln, singen – das kennt man doch. Doch wer genauer hinschaut, merkt: So einfach ist es nicht. Kinder brauchen Orientierung, Halt und Aufmerksamkeit. Sie brauchen Erwachsene, die zuhören, die trösten, die Grenzen setzen und Mut machen. Und sie brauchen Zeit. Zeit, um Dinge auszuprobieren, um zu scheitern und um wieder aufzustehen. Entscheidend ist, ob Kinder spüren: Ich werde gesehen. Ich bin angenommen. Ich darf Fehler machen. Genau das ist auch eine zentrale Botschaft des christlichen Glaubens. Gott begegnet uns Menschen nicht zuerst mit Forderungen, sondern mit Zusage. „Du bist gewollt. Du bist geliebt.“ Diese Erfahrung weiterzugeben – im Kleinen, im Alltag – ist gelebte Verkündigung. Geduld spielt dabei eine große Rolle. Entwicklung lässt sich nicht beschleunigen. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Auch im Glauben gilt: Wachstum braucht Zeit. Zweifel gehören dazu, Umwege ebenso. Wer glaubt, ist nicht fertig, sondern unterwegs. In unseren Kitas wird diese Haltung täglich gelebt: aushalten, begleiten, vertrauen das Entwicklung geschieht – auch wenn sie nicht sofort sichtbar ist. Vielleicht führt uns die Arbeit mit Kindern deshalb zu einer wichtigen Erkenntnis: Wir müssen nicht immer mehr fordern, erklären oder lenken. Kinder tragen vieles bereits in sich. Sie spüren oft sehr genau, was ihnen guttut, was sie brauchen und wann es Zeit für den nächsten Schritt ist. Unsere Aufgabe ist es weniger, sie zu formen, als ihnen zu vertrauen – darauf, dass sie sich das nehmen, was sie zum Wachsen brauchen, wenn wir ihnen Raum, Zeit und verlässliche Begleitung schenken. So wie auch Gott uns vertraut und uns zutraut, unseren Weg zu gehen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine entschleunigte Woche.

Ihre Kita-Verbund-Leitung
Vanessa Schulte

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