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„Eine Handvoll Erde

Predigt zum 13. Sonntag im JK A – Ich bin getauft! Was bedeutet mir mein Getauft-sein?
Röm 6,3-4 und Mt 10,37-42

Denken Sie manchmal an Ihre Taufe? Wahrscheinlich werden Sie sich nicht an sie erinnern. Aber denken Sie manchmal an die Tatsache, dass Sie getauft sind? Machen Sie die Taufe in Ihrem Herzen groß? Was bedeutet die Taufe für Sie?
Das Wort „Taufe“ kommt von „tauchen“. Wer getauft wird, wird in die Liebe Jesu Christi getaucht. Wie sehr leben Sie aus dem Geschenk der Taufe, durch das Sie in besonderer Weise in die Liebe Jesu Christi hineingelegt wurden? Sich durch das Leben hindurch immer wieder an das Geschenk und die damit einhergehende Verbundenheit zu erinnern, ist wichtig. Eine Erinnerungskultur lässt den Menschen reifen.
Paulus‘ Brief an die Römer ist das Vermächtnis seiner gesamten Theologie. Dort heißt es: „Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ (Röm 6,3) Wenn ich in Taufgesprächen die Eltern frage, warum sie ihr Kind taufen lassen möchten, findet dieser Aspekt kaum Anklang. Vielmehr lauten die Begründungen: Das sei Tradition. Das habe man so gelernt. Das könne nicht schaden. So würde das Kind keine Nachteile haben, z.B. bei Kindergartenplätzen. Das Kind könne auf diese Weise lernen, den Glauben in Gemeinschaft zu leben. Man möchte dem Kind eine Richtung geben, ihm den Weg des Glaubens zeigen. Denn die Werte des christlichen Glaubens kann man nur im Umgang mit anderen verwirklichen. Liebe braucht Gemeinschaft. Auch die eigenen Grenzen bedürfen der Unterstützung anderer Menschen und Jesu Christi.
Oder soll man warten, bis das Kind erwachsen ist und es dann selbst entscheiden lassen, ob es getauft werden möchte? Die Taufe ist so etwas wie eine Muttersprache. Man wählt sie nicht selbst, sondern wächst in sie hinein und dann gehört sie zur eigenen Identität. Mit der Taufe wächst man in diesen Glauben und in diese Gemeinschaft hinein. Natürlich müssen die Eltern dafür die Verantwortung tragen und hinter dem Glauben stehen. Auf der anderen Seite bietet die Taufe eines Kindes die Gelegenheit für die Eltern, zusammen mit dem Kind im Glauben zu wachsen. Man darf hier außerdem nicht außer Acht lassen, dass die christliche Kultur unser Leben bestimmt und wir den Blick auf sie daher nicht verlieren sollten. Eine ausdrückliche Auseinandersetzung mit den Wurzeln unserer Kultur tut immer gut – aber eben auch das selbstverständliche Hineinwachsen in sie und das Aufgehobensein in ihr.
Natürlich ist es schwer, mit den Eltern über den paulinischen Aspekt der Taufe zu reden. Wenn ein Kind so klein ist, liegt der Tod gewollt in weiter Ferne und die Vergänglichkeit des Lebens ist ein heikles Thema. Bei Beerdigungen spielt der Rückblick auf die Taufe aber eine große Rolle. Sie macht deutlich, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, sondern dass die Liebe Jesu Christi größer als der Tod ist.

Schaut man sich die alten Taufbrunnen in Israel an, so werden beide Elemente miteinander verbunden. Der Täufling musste drei Stufen hinunter gehen. Wie bei einem Begräbnis führte es ihn zuerst in die Dunkelheit des Todes hinein. Die ersten Christen zogen den Täufling schließlich aus dem Wasser heraus und wollten damit sagen: Es gibt eine Liebe, die den Tod überwindet. Du feierst hier das Leben. Ich bin selbst einmal diese Stufen hinuntergegangen, um dieses Erlebnis nachzuspüren.
Die Taufe ist Beginn, aber nicht das Ende des Glaubensweges. Er führt weiter über die Erstkommunion bis zur Firmung. Sie ist der Abschluss der Taufe. Nun dürfen die Jugendlichen selbst entscheiden, ob sie weiter Teil der Gemeinschaft der Gläubigen sein möchten, die ihr Leben in der Richtung auf Jesus Christus hin führen.
Betrachten wir neben dem Römerbrief zusätzlich das Matthäus-Evangelium, so zeigt sich, welche Herausforderungen durch ein getauftes Leben entstehen können. So liest man: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, der ist meiner nicht würdig.“ (Mt 10,37) Diese Stelle kann man eigentlich nur verstehen, wenn man weiß, in welchem Kontext das Evangelium entstanden ist. Die ersten getauften Christen wurden verfolgt. In den Familien, in denen es einen getauften Christen gab, kam es oft zu großen Konflikten und die Getauften wurden unter Umständen aus der Familie verstoßen. Teilweise nahmen die Eltern auch zu großen Einfluss in den Glauben der getauften Kinder, so dass die Getauften bereits wieder aus der Glaubensgemeinschaft flohen.
Matthäus lebte außerdem in der Überzeugung der Naherwartung, also der Rückkehr Jesu Christi, die das Ende der Zeiten einläuten sollte. So ist eine solch radikale Aussage durch Jesus verständlich. Es macht keinen Sinn, sich mit aller Kraft an die irdischen Ursprünge zu klammern, wenn man seinen Blick doch besser in Richtung des nahenden Himmelreiches wenden sollte.
Auf der anderen Seite lebt der Mensch im Gebot der Gottes- und Nächstenliebe. Das sind nicht zwei voneinander verschiedene Liebesarten, sondern es handelt sich um eine Einheit. Man kann die Gottesliebe nicht gegen die Nächstenliebe ausspielen und umgekehrt. Wer Gott liebt, kann den Nächsten nicht hassen, und wer den Nächsten liebt, liebt Gott implizit mit. Im Sinne des Matthäus sollte aber kein Mensch als Absolutum betrachtet werden, sondern jede Liebe zu einem Menschen hat Gott als absolute Richtung und kann diese Richtung ausdrücklich nehmen.
Ich wünsche uns allen, dass wir uns immer wieder an unser Getauftsein erinnern und daran denken, dass die Liebe größer ist als der Tod. Ich wünsche uns, dass wir die Kinder auf ihrem Weg durch den Glauben unterstützen und das Leben mit ihnen teilen. Und ich wünsche uns, dass wir als Gemeinde zusammen in eine Richtung blicken, in die Richtung Jesu Christi, und dass diese Begegnung für uns alle zum Segen wird.
Ihr / Euer
Pastor Thomas Laufmöller

Predigtgedanken zum Abitur 2020 an der Friedensschule:
„Unsicherheit und Zuversicht“

Jeder von uns trägt einen Namen, der ausdrücken soll, dass wir eine eigene Identität haben. Gott hat jeden Menschen zu einer Persönlichkeit geschaffen, die einmalig ist und sich somit von allen anderen Persönlichkeiten unterscheidet. Was macht Ihre Persönlichkeit aus? Was ist Ihre Besonderheit?
Wie schön, dass es so viele verschiedene Persönlichkeiten gibt, die einander ergänzen. Vielfalt macht lebendig. Unsere Persönlichkeit ist aber an sich schon ein Zeichen von Lebendigkeit, weil sie nicht starr ist, sondern sich im Laufe des Lebens entwickelt. Wir gestalten unsere Persönlichkeit mit – sie wird aber auch von außen gestaltet. Dies ist mir bei der Vorbereitung des diesjährigen Abiturgottesdienstes deutlich geworden. In dieser außerordentlichen Zeit konnten wir nicht alle zusammen feiern. Ich habe mit kleineren Gruppen drei Abiturgottesdienste gefeiert. Immerhin war ein direkter Kontakt möglich und wir mussten nicht in ein Autokino ausweichen. Das Abitur in solchen Zeiten zu bewältigen, war eine Leistung, die die Persönlichkeit der Schüler sicherlich geprägt hat. Aber auch ganz abgesehen von den Corona-Einschränkungen werden die Abiturienten gerade mit einem Bruch konfrontiert. Schule schenkt Kindern und Jugendlichen über viele entscheidende Jahre eine feste Struktur, die nun verlassen werden muss. Das erweckt Unsicherheit. Ich möchte daneben nun gern den Gedanken der Zuversicht stellen.
Das Leben ist ein Abenteuer, die Zukunft unabsehbar. So entstehen Unsicherheiten, denn keiner hat alles in der Hand. Manchmal wünscht man sich das und ist hinterher doch froh, dass der Wunsch nicht in Erfüllung gegangen ist. Nicht alles kontrollieren zu können, macht den Menschen menschlicher, demütiger und bescheidener. Unsicherheiten schenken dem Leben außerdem Lebendigkeit. Dinge passieren, mit denen man nicht rechnet, die einen überraschen und freuen. Schönheit kann eigentlich erst dort wahrgenommen werden, wo sie nicht geplant ist, sondern einen überwältigt. Jeden Augenblick voraussehen zu können, würde tödliche Langeweile provozieren. Unsicherheiten bringen also trotz aller Unabsehbarkeit des Lebens auch gute und lebendige Elemente in die Welt.

Ich stelle mir vor, dass man aus den Unsicherheiten heraus eine Zuversicht entwickeln kann, die einen auch durch schwere Zeiten trägt. Dazu lege ich Ihnen fünf Gedanken ans Herz:

  • Stellen Sie sich einen Topf mit Sahne vor, in den nacheinander drei Frösche fallen. Der erste Frosch ist ein Pessimist. Er meint sofort, dass alles aus ist, dass es keine Chance gibt, und er ersäuft. Der zweite Frosch ist Optimist. Er denkt, dass ihn schon irgendjemand retten wird, und wartet und wartet – bis er nicht mehr kann und ebenfalls ersäuft. Der dritte Frosch ist der Frosch der Zuversicht. Er schaut sich um, sieht das Problem und überlegt sich eine Lösung. Zuversicht ist etwas Aktives, das sich nicht zermürben lässt, sondern selbst zur lösenden Tat schreitet. Dieser Frosch fängt an zu strampeln und er strampelt, bis die Sahne zu Butter wird. Dann kann der Frosch aus dem Topf klettern.
  • Sich mit anderen zu vergleichen, führt zu Frustrationen. Wer freudig denkt, er habe 100 Euro Lohnerhöhung bekommen, ist enttäuscht, sobald er hört, dass ein Kollege 200 Euro erhält. Man macht sich selbst klein, wenn man sich hier mit dem Kollegen vergleicht. Vergleiche mit anderen machen per se wenig Sinn, da jeder Mensch individuelle Fähigkeiten hat. Darum sollte man sich lieber mit sich selbst vergleichen und zuversichtlich sein, die eigene Persönlichkeit in gute Bahnen hinein zu entwickeln. Zu jedem Zeitpunkt kann man sich fragen, was man eigentlich aus den eigenen Anlagen gemacht hat.
  • Ein Perspektivwechsel in unangenehmen Situationen schenkt oft die Zuversicht, dass das Leben nicht über einem zusammenstürzen wird, sondern Lichtpunkte enthält, die aufbauend wirken können. So in folgender Geschichte: Ein Mann fährt im strömenden Regen mit dem Fahrrad nach Hause. Das Wasser steht schon in den Schuhen. Da klingelt sein Handy und seine Frau teilt ihm mit, dass es einen Wasserrohrbruch im Keller gibt. Er kann es nicht fassen, dass gerade alles zusammenkommt. Der Abend scheint nicht mehr zu retten zu sein. Als er Zuhause ankommt, geht er sofort in den Keller, um sich die Misere anzuschauen. Da fällt sein Blick auf seine Kinder, die freudig im Wasser panschen und rufen: „Papa, wir haben ein Schwimmbad!“ Solch ein Kinderblick, der spielerischer mit Situationen umgeht, entkrampft und kann den nötigen Perspektivwechsel anstoßen. Statt gelähmt zu verzweifeln, trägt die Leichtigkeit einen durch die Schwierigkeit.
  • Umgebe dich mit zuversichtlichen Menschen! Ihre Zuversicht berührt und färbt ab. Solche Menschen können Wegweiser für das Leben werden, deren Wichtigkeit nicht zu unterschätzen ist.
  • Menschen leben auf ein Ziel hin. Das Ziel heißt „Leben“, heißt, zu leben mit Gott. Ist man sich dessen bewusst, egal was passiert, dann gelingt es einem, durch traurige Phasen zu gehen und sie als Phasen anzusehen. Sie werden einmal zu Ende gehen und dieses Ende heißt nicht „das Nichts“, sondern „Leben“. Kurt Martin sagt, man solle Auferstehung bereits im Leben suchen. Wo sind Zeichen des Aufstehens, an denen man sich aufrichten kann? Diese Zeichen lassen erahnen, dass Leben mit dem Tod kommt, statt Ende. Vor diesem Horizont kann man sich zuversichtlich in die endlose Liebe Gottes hineinfallen lassen.

Ich wünsche uns allen, dass wir in diesen unsicheren Monaten zuversichtlich in die Zukunft blicken können und die unendliche Liebe Gottes sehen, die auf uns wartet und uns trägt.

Impulse zu Fronleichnam von Pastor Thomas Laufmöller

Wonach sehne ich mich? Es gibt vielfältige Ziele meiner Sehnsucht und manches Ziel ist sehr verführerisch. Zu welchen dieser Ziele soll ich streben? Dazu lässt es sich am besten ins eigene Innere schauen. Was berührt mich dort wirklich? Bei einem Gespräch habe ich einmal von den vier Bs gehört: Bewegung, Beziehungen, Bücher und die Bibel. Ich selbst würde noch die Musik hinzusetzen. Körperliche Bewegung tut dem Menschen gut. Die Liebe eines Menschen trägt und ist unverzichtbar. Die Weisheit der Alten ist ein großer Schatz für das eigene Denken und Leben. Das sind alles innere Werte, die meiner Sehnsucht auf sinnvolle Weise entsprechen.

In den letzten Wochen habe ich viele Emmaus-Gänge mit den Firmlingen gemacht. Immer zwei Firmlinge und die Katecheten und der Pastor  zusammen draußen in der Natur auf einem Spaziergang. Wir haben intensive Gespräche geführt und dabei gemerkt, wie sehr uns die Begegnungen mit den Menschen fehlen, die wir bisher täglich getroffen hatten. Schule ist nicht nur ein Lernort, sondern ein Ort der regelmäßigen Begegnung. Es tut den Schülern weh, nicht hingehen zu dürfen. Wir brauchen Menschen für unser Leben.

Die ständige Hetze nach immer mehr Materiellem kann uns nicht zufrieden machen. Ein Rückblick auf das Leben Jesu zeigt, wofür es sich wirklich zu leben lohnt. Auch er lebte zutiefst in seinen Begegnungen. Darunter waren Begegnungen mit den Priestern im Tempel, mit denen er diskutiert hat, denen er seine Weisheit weitergegeben hat. Darunter waren Begegnungen am See Genezareth, wo er die Menschen getroffen hat, mit denen er seinen Alltag teilen wollte und die ihn stützen würden.

Besonders deutlich wird die Wichtigkeit der Begegnung aber, wenn man sich den Kern des Fronleichnamsfestes anschaut. Es ist das Fest des Brotes bzw. des Brotbrechens. Der eigentliche Sinn dieses Festes ist die Hingabe Jesu Christi. Kurz vor seiner Kreuzigung sucht er seine Jünger noch einmal auf, weil er weiß, dass etwas auf ihn zukommt, das er allein nicht schaffen wird. Er bricht das Brot beim letzten Abendmahl. Das Brot wird zwar geteilt, zerbricht aber auch. Jesus musste sterben, weil die Gewalttätigen den Gewaltlosen nicht aushalten konnten. Sie konnten seine Liebe nicht aushalten.

Die Emmaus-Jünger erkennen Jesus schließlich, als er das Brot bricht. Die Kreuzigung bedeutet nicht nur Sterben, sondern im Grunde die absolute Hingabe der Liebe Jesu. Diese Liebe wird deutlich, wenn wir heute das Brot brechen. Er hat bis aufs Blut geliebt. Die Liebe ist nicht tot zu kriegen, weil sie zutiefst die Sehnsucht des Menschen ist. Sie ist nur vordergründig auslöschbar. Aber es ist die Liebe, die von einem Menschen bleibt, wenn er stirbt und man sich nach seinem Tod an ihn erinnert.

Ich habe gerade von einer Gruppe Priester während des Nationalsozialismus gehört. Im KZ war es nicht erlaubt, die Eucharistie zu feiern. Darum musste man heimliche Wege finden. So traf man sich morgens um 5 Uhr. Jeder brachte ein Stück Brot mit; einer sprach die Segensworte, während die anderen ihr Brot auf der Hand liegen hatten. Die Hand repräsentierte den Altar. Diese Priester konnten ohne die Eucharistie nicht leben. Sie hatten Sehnsucht nach Liebe und die gemeinsame Eucharistie stärkte sie, weil in ihr die Liebe verwirklicht wurde, die Jesus gezeigt und gelebt hat.

Fronleichnam ist der Leib des Herrn, ist seine Liebe. Ich hoffe, dass wir die Sehnsucht nach Liebe nie verlieren. Diese Liebe dürfen wir im Brot des Altars empfangen. Welch wunderbares Geschenk. Amen.

Dreifaltigkits-Sonntag – Impulse von Pastor Thomas Laufmöller

Ganz selbstverständlich beten wir „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Es wundert daher nicht, dass mich einmal eine Muslimin fragte, ob die Christen an einen Gott oder an drei Götter glauben. Vielleicht gibt ein Nachdenken über die drei Personen der Trinität am Dreieinigkeitssonntag Aufschluss darüber.

Wenn wir uns am Tag zum ersten Mal sehen, begrüßen wir einander. Ähnlich der Apostel Paulus in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth, den er mit den grüßenden Worten beschließt: „Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Das ist ein komprimiertes Glaubensbekenntnis. Ich möchte den hier angedeuteten Gemeinschaftsaspekt nun besonders deutlich herausstellen.

Gott hat die Welt so geliebt, dass er seinen Sohn für sie hingab. Gott hat der Schöpfung seine Liebe geschenkt. Sein Traum ist es, dass die Menschen mit ihm in Gemeinschaft leben. Das kann man natürlich nicht erzwingen, sondern man kann nur darum werben und hoffen, dass der Mensch die Liebe spürt, sie annehmen kann und auf sie antwortet.

Schon die Naturreligionen haben geglaubt, dass Gott in der Natur zu finden ist. Je inniger man mit der Schöpfung in Verbindung steht, desto mehr kann man daher mit Gott in Verbindung stehen. Darum ist es sinnvoll, eine gute Beziehung zur Schöpfung zu entwickeln, Empathie mit ihren Wesen spüren zu können. Berührt es dich, wenn die Natur aufblüht oder zerstört wird?

Jesus spricht aber nicht vom Schöpfer, sondern vom Vater. Dies ist ein Bild für seine innige Beziehung. Kann man zum Vater beten, wenn die Beziehung zum leiblichen Vater holprig ist? Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund besser, die Bildhaftigkeit durch einen Vergleich deutlicher herauszustellen: Gott ist wie ein liebender Vater. Natürlich kann man auch ein anderes Bild nehmen, wenn man sich mit dem Bild des Vaters unwohl fühlt – solange das Bild die Liebe ausdrückt.

Gott hat sich entschieden, diese Beziehung zur Schöpfung durch seinen Sohn besonders zu leben. Er wollte als Mensch unter Menschen leben. Die Bibel schenkt uns Jesu Gleichnisse, Wunder und die Weisungen der Bergpredigt. Dies zusammen lässt uns ihn kennenlernen. Heraus sticht aber seine Liebe zum Vater, die ihm Kraft gab und ihn ein Leben lang stützte, vor allem in den Bedrängnissen. Diese Liebesbeziehung übersteigt alles und ist stärker als der Tod. Wer das glauben kann, ist selbst getragen.

Schließlich sprechen wir vom Heiligen Geist. Heilig ist er, weil er von Gott kommt. Alles von ihm ist Segen und Heil. Die Liebe von Vater zum Sohn und vom Sohn zum Vater ist gewissermaßen explodiert. Darum benutzen wir für den Heiligen Geist das dynamische Bild des brennenden Feuers. Dieses Brennen findet sich beispielsweise im Wirken des Apostels Paulus. Ihn traf gewissermaßen der Schlag und er veränderte sein Leben von jetzt auf gleich. Hätten die Jünger das Brennen des Heiligen Geistes nicht gespürt, wären sie nach dem Tod Jesu zurück nach Galiläa gegangen. Sie bekamen aber einen Impuls von außen, der sie dazu trieb, weiter von der Lehre Jesu zu erzählen.

Für mich kommt Gott in der Stille zu mir. Ich denke hier an den Propheten Elija, dem sich Jahwe nicht in einem Brausen, sondern in einem sanften Säuseln zeigte. Martin Buber spricht von einer „Stimme verschwebenden Schweigens“. Darum gehe ich in die Stille, um Gott in sie hineinzulassen. Dann kann er wirken.

2017 starb Kurt Martin, ein evangelischer Theologe aus der Schweiz. Er beschrieb den dreieinigen Gott als gesellige Gottheit. Gott ist in sich gesellig. Die Personen der Trinität sind keine drei Götter, sondern Beziehung. Gott gesellt sich außerdem zum Leben der Menschen. Man muss ihn nur hineinlassen und mit ihm leben. Du bist ein guter Geselle, Gott, und das ist gut und segensreich für uns. Amen.

Gedanken Pfingst-Montag
„Ja, der Tröster, den mein Vater senden wird“

„Du sollst dir kein Bild von Gott machen“, (Ex 20) dieses elementare Gebot ist dem Volke Israel ins Herz gelegt worden. Der geschichtliche Hintergrund dieses strengen Verbotes besagt, dass das Volk während der Abwesenheit des Mose sich ein goldene Kalb goss und dieses als Gott verehrte, ja es gleichsam anbetete. Damit bestand die Gefahr, dass sich die Israeliten sich von ihrem Gott Jahwe, der sie aus der Knechtschaft Ägyptens befreite, ab- und sich den heidnischen Göttern Kanaans zuwendeten. Der Glaube an den einen Gott, dem sogenannten Monotheismus, wurde damit in Frage gestellt.

Das Goldene Kalb steht symbolisch für diese Abkehr und dafür, dass Menschen Gott in ein festes Bild kleiden, IHN gleichsam einrahmen und damit engführen. Das Volk machte sich sein eigenes Gottesbild, der „selbstgemachte Gott“. Gott aber übersteigt all unsere Bilder, all unsere Vorstellungen, ER ist und bleibt der ganz Andere – ER ist und bleibt das Geheimnis der vollendeten Liebe.

Da der Mensch aber ein sinnliches Wesen ist, kann er den verborgenen, aber auch wirksamen Gott nur in Bildern beschreiben. Diese aber sind nicht statisch, sondern müssen im Fluss bleiben. Sie müssen und werden sich Tag für Tag verändern, weil Gottes Liebe und Größe in keinem einzigen Bild zu erfassen ist.

Zwei Gottesbilder zu Gott, zum Heiligen Geist, möchte ich Ihnen und Euch gerne ans Herz legen.

Der Heilige Geist – der Beistand:

Dieser Geist Gottes entreißt uns nicht den Dunkelheiten unseres Lebens, aber ER geht mit, so wie ER es damals um das Jahr 1200 v. Chr. getan hat, als ER das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt und es begleitet hat durch alle Widrigkeiten des Lebens ins gelobte Land nach Kanaan. Diese Wüstenwanderung beschreibt die hoffnungslose Situation der Menschen, die aufgeben wollten und an Gott zweifelten und verzweifelten. Es braucht dann immer wieder Menschen wie Mose, die von der Treue Gottes erzählen und daraus leben. Gott bleibt zuverlässig an unserer Seite, ER lässt uns niemals allein.

Wer so auf den Heiligen Geist, den Beistand, vertrauen kann, dem kann es passieren, dass sich Hoffnungslosigkeit in Hoffnung verwandelt, Streit in Friede, Hass in Liebe, Trennung in Einheit und Schuld in Vergebung.

Ein zweites Bild:
Der Heilige Geist – der Tröster:
Es ist der größte Trost des Lebens, dass die Liebe niemals verloren geht, egal was passiert.
„Die Liebe hört niemals auf“, so sagt es der Apostel Paulus der Gemeinde in Korinth. Natürlich, je mehr ich liebe, desto mehr werde ich leiden, weil lieben und leiden unbedingt zusammengehören in dieser, unserer irdischen Welt.
Die erfahrene Liebe aber geht niemals verloren und sie wird letztendlich das Leiden in den Schatten stellen, weil sie das Größte ist und niemals aufhört. Sie wird aufleuchten über unserem Leben und ihm einen Sinn geben. Selbst der Tod kann uns nicht scheiden von der Liebe Christi, die in uns ist – welch ein Trost.

Predigt Pfingsten – „Der Geist des Herrn erfüllt das All“

Wir leben in einer Zeit, in der unser Fuß ständig auf dem Gaspedal steht. Immer schneller glauben wir, immer mehr zu erreichen. Die Endlichkeit des Lebens ist hier aber per se schon eine Grenze, der wir nie entkommen können. „Du kannst Dein Leben nicht verlängern, nicht verbreitern, nur vertiefen,“ so las ich es einmal. Die Vertiefung des Lebens stellt einen Ansatz dar, der sich mit unserer Raserei nicht verträgt. Um zu vertiefen, muss man innehalten und aufmerksam sein. Ein Spaziergang durch die Natur vermag es oft, die eigenen Gedanken zu bündeln und in die Tiefe zu leiten. „Gott ist auch in den Bäumen und nicht nur in den Büchern“, hat Martin Luther bemerkt. In der Weite der Natur, in der Weite des Waldes, weitet sich auch der Blick und erfasst eine neue Tiefendimension. Vielleicht gelingt es einem schließlich, so tief zu schauen, bis man das Antlitz Gottes erblickt.

Im Schöpfungshymnus der Genesis wird zu Beginn die äußere Gestaltung der Weltenschöpfung beschrieben. Dann haucht Gott dem Geschaffenen seinen Atem ein. Dies ist die innere Dimension der Schöpfung. Sie wird zu etwas Lebendigem, das den Geist Gottes stets in sich trägt. In der Natur ist dieser Geist also präsent und er kann sich in der Tiefe erschließen. Der Mensch selbst trägt diesen Geist in sich. Darum ist es fatal, nur aus dem eigenen Geist heraus leben zu wollen. Dieser Versuch führt eher zu Überheblichkeit, Hass und Katastrophen. Das zeigt sich beispielsweise, wenn man meint, man hätte die alleinige Wahrheit gefunden und müsse keinen Dialog mit anderen Menschen mehr führen.

Vielmehr sieht man sich in einer Position, die eigene Wahrheit anderen aufzwingen zu dürfen.

Aus dem Geist Gottes zu leben, bedeutet etwas anderes.

Ein Vergleich mit dem Atem des Lebens ist aufschlussreich. Mit der Geburt nimmt man den ersten Atemzug. Der Atem trägt einen durch das Leben und nach dem letzten Atemzug nimmt das Leben sein Ende. Der Atem macht das Leben also aus. Man nimmt ihn überall mit hin und lebt daraus. So verhält es sich auch mit dem Geist Gottes. Der Mensch ist nicht völlig autark und im Besitz der alleinigen Wahrheit. Leben ist etwas, das der Mensch empfängt, das ihm geschieht. Der Mensch ist nicht nur ein Gestalter seines Lebens. Es widerfährt ihm. Liebe ist etwas, das er empfängt. Er kann sich dafür öffnen, aber schließlich kommt sie zu einem und man kann sie nicht an sich reißen. Der Mensch ist also nicht nur ein Handelnder und Arbeiter, der alles unter Kontrolle hat. Er wird getragen und diese Abhängigkeit macht erst den Reichtum seines Lebens aus.

Ihr/Euer

Pastor Thomas Laufmöller

Predigtgedanken zum 7. Sonntag nach Ostern
„Ewiges Leben“ – Joh 17,1-11a

Was ist das Ewige Leben?

Wie stelle ich es mir vor?

Was bedeutet es mir?

Reinhard Mey beantwortet diese Fragen in seinem Lied:

„Du hast mir oft Fragen gestellt…“, nachdem eines seiner Kinder ihm die Frage nach dem Tod, und was danach komme, gestellt hat.

Einige Bilder aus dem Lied, die der Sänger gefunden hat, möchte ich Ihnen gerne nennen.

Ich stelle mir dieses Leben vor…

  • Wie einen Park mit grünen Bänken
  • Als Quelle des Lichts, vielleicht auch nichts
  • Ein guter Platz, um dort zu bleiben…

Kann man das Ewige Leben mit solch menschlichen Bildern beschreiben?

Treffen sie den Sinn für das, was mit der Ewigkeit gemeint ist?

Es gibt keine Worte und Bilder für das Ewige Leben, weil dieses Reich außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt. Sie beschreiben eigentlich mehr die Sehnsucht des Menschen und sind auch so zu verstehen.

Ludwig Feuerbach, ein Religionskritiker des 19. Jahrhunderts, lästert über diese Vorstellung. Die Christen hadern mit ihrer Endlichkeit und projizieren ein höheres Wesen – Gott – der sie von dieser Last befreit. Die Christen meinen, das Leben sei wie eine Kutschfahrt, am Ende wechsele man nur die Pferde und es gehe dann einfach so weiter, das ist sein Vorwurf.

Diese Vorstellung hat allerdings nichts mit der biblischen Offenbarung zu tun. Der Tod, so der christliche Glaube, ist das endgültige Ende des irdischen Lebens – der Tod setzt diesem ein unbarmherziges Ende.

Der Christ weiss das. Deswegen liebt er das Leben, weil es

einzigartig ist. Es ist unser größtes Geschenk, deswegen müssen wir es wie eine kostbare Gabe jeden Tag neu mit Sinn erfüllen.

Der Tod, das ist das Ende von Raum und Zeit. Alles hier ist zeitlich begrenzt. Wie erleichtert sind wir, wenn ein schwerer Weg zu Ende gegangen ist. Und umgekehrt dürften Erfahrungen der Liebe niemals aufhören. Die Zeit begrenzt unser irdisches Leben, Gott aber steht über der Zeit, er ist zeitlos, er ist reine Liebe. Deshalb gibt es in der Ewigkeit Gottes keine Zeit.

Der Tod beendet das irdische Leben, aber es ist nicht alles aus, er hat nicht das letzte Wort. Es geht um Sein und Nicht-Sein. Wenn Jesus gestorben und auferstanden ist, wenn er lebendig erfahrbar wird wie den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus – allerdings ganz anders, so dass sie ihn zuerst nicht erkennen – dann werden auch wir lebendig bei Gott in seinem Ewigen Reich sein.

Der Evangelist Johannes sagt es so:

„Das ist das Ewige Leben, dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast. (Joh 17,3)

Erkennen meint schauen, tiefer hineinschauen. Schau, wie sehr Jesus Christus seine ganze Schöpfung und den Menschen liebt.

Schau auf Sein Leben, stell dich unter Sein Kreuz, blick in Sein liebendes Angesicht und du weisst, was das Ewige Leben ist.

„Glücklich ist, wer schaut, was er liebt“, so sagt es Josef Pieper, ein wunderbarer Satz. Mit diesem Wort gehe ich durch die Woche und hoffe, dass es auch Sie berührt.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen

Ihr

Pastor Thomas Laufmöller

Impulse zu Christi Himmelfahrt – Mt 28,16-20
„übertragenen Verantwortung“

Liebe Gemeinde,

wenn ich etwas erreichen möchte, dann brauche ich dazu in der Regel ein gutes Team. Zusammenarbeit leben und Verantwortung übertragen, das sind Voraussetzungen, um auch nachhaltig etwas bewirken zu können. Nur durch das Zusammenspiel der Vielen kann etwas Gutes und Lebendiges entstehen – so erlebe ich es jeden Tag in unseren Gemeinden und in der Friedensschule.

Jesus wusste, dass er nur eine Zeit auf dieser Erde ist und er hat von Anfang an Sorge getragen, dass die Botschaft der Liebe, seine Liebe zum Vater, über seinen Tod weitergelebt und weiter verkündet wird.

Er hat sich am Himmelfahrtstag nicht einfach aus dem Staub gemacht, sondern er hat seinen Abschied vorbereitet und die Verantwortung für die Botschaft des Glaubens weitergegeben – „übertragenen Verantwortung“.

 Wie hat Jesus das getan?

Er hat Männer und Frauen um sich versammelt und ist mit ihnen einen menschlich-geistlichen Weg gegangen. Wenigstens ein Jahr haben seine Jüngerinnen und Jünger IHN im Alltag erlegt und erfahren, wie das geht, Gott zu lieben und IHM im Gebet zu begegnen.

Die Jünger fragen: „Meister, wo wohnst du? Wer bist du?“

Jesus antwortet: „Kommt und seht!“ (Joh 1,39)

Du kannst nur Verantwortung für die Liebe Christi tragen, wenn du IHN kennengelernt hast.

Hier und heute kannst du Jesus kennenlernen durch die Evangelien.

Mach dir die Worte Jesu zu eigen, lass dich von ihnen berühren, lebe aus ihnen und verkünde sie. In einem Gebet heißt es: „Herr, forme mein Herz nach deinem Herzen“. So kannst du wahrhaft Jüngerin oder Jünger Jesu in unserer Zeit sein.

Mit dieser inneren Haltung geh nun zu den Menschen und erzähle, was du vom Evangelium verstanden hast und wie dich die Liebe Jesu berührt hat. „Geht zu allen Völkern!“ (Mt 28,19)

Hört erst einmal zu, dann nennt eure eigenen Gedanken. Bedenkt, auch ihr kennt nicht die absolute Wahrheit, deswegen führt Gespräche auf Augenhöhe, wie es einem lebendigen Dialog entspricht. Das wäre eine Mission des Friedens und der Liebe.

In einem Gleichnis aus Indien wird von Blinden und einem Elefanten erzählt: Blinde sollen einen Elefanten beschreiben. Es kommt zum Streit, weil jeder einen anderen Körperteil des Elefanten berührt hat – und meint, das wäre der Elefant. Sie kämen zur Wahrheit, wenn sie sich ausgetauscht hätten.

Christi Himmelfahrt – Jesus kehrt zurück zum Vater in den Himmel, in das Reich des Vaters. ER überträgt seine Verantwortung zuerst auf die Jüngerinnen und Jünger und heute auf uns.

Wenn wir diese Liebe Jesu immer wieder in unser Herz hineinlassen und uns nach Kräften bemühen, aus ihr zu leben, dann sind wir wahrlich Botschafter an Christi statt. Wir dürfen sicher sein:

Jeden Weg der Liebe wird ER begleiten und stärken.

„Seid gewiss: Ich bin bei euch bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20)

Ich wünsche uns, dass die Botschaft Jesu, die Botschaft der Liebe, auch durch uns weiterlebt – denn sie ist es wert.

Ihr / Euer

Pastor Thomas Laufmöller

6. Sonntag nach Ostern
„Leben in Wahrheit“- Joh 14,15-21

Das griechische Wort für Wahrheit heißt: „alétheia“
– Das Unverborgene
– Die unverhüllte Wirklichkeit

Das Verborgene kommt ans Licht, die Wahrheit kommt ans Licht.
Ist der Mensch aber in der Lage, die Wahrheit zu leben?
Ist er in der Lage, ganz wahrhaftig zu sein?

Der antike Philosoph Sokrates sagt im 5. Jahrhundert v. Chr.:
„Die richtige Erkenntnis führt zur Wahrheit.“

Stimmt das? Der Mensch ist in besonderer Weise vernunftsbegabt, das zeichnet ihn aus. Ist er aber durch seine Vernunft in der Lage, die Wahrheit zu erkennen und zu leben?
Ich meine, hier überzieht Sokrates die Fähigkeiten des Menschen. Schon sein Schüler Platon weist darauf hin, dass der Mensch die Welt und das Leben nur schattenhaft wahrnehmen und verstehen kann, d.h.: Die Wahrheit des Lebens bleibt verschwommen, verborgen, gleichsam wie ein Schatten, der über ihr liegt.
Der Mensch kann die Wahrheit nie ganz ergreifen und verstehen, er kann sich ihr nur annähern, weil er begrenzt ist, weil er Grenzen in der Erkenntnis und in der Wahrnehmung hat.
Diese Wahrheit des Menschen kann ihn demütig machen und damit zugleich menschlicher.

Im Johannes-Evangelium (Joh 14,16 und 17) sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ich werde den Vater bitten und ER wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben wird.
Es ist der Geist der Wahrheit.“
Diese biblische Aussage zeigt:
Die tiefe, erfüllte Wahrheit kommt nicht von uns Menschen, sie liegt weder in unserer Vernunft noch in unserer Wahrnehmung. Die Wahrheit kommt von Gott und ER hat sie in uns hineingelegt.
Wir tragen sie in uns – im Innersten unseres Seins.

Wie können wir diese Wahrheit, die in uns ist, tiefer beschreiben?
Wieder lesen wir im Johannes-Evangelium das Wort Jesu Christi:
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. (Joh 14,6)

Ich möchte diesen „Ich-bin-Satz“ so erweitern:
Ich bin die Liebe, und meine Liebe ist Weg, Wahrheit und Leben.

Mögen wir die Liebe Jesu Christi, die Wahrheit seines Lebens, die in uns ist – besonders durch Taufe und Firmung – entdecken und daraus leben. Der Heilige Geist wird uns dabei helfen, denn ER ist ja auch der Geist des Beistands. So werden wir und die Menschen um uns herum, ja sogar die gesamte Schöpfung, Segen und Heil erfahren.

Augustinus sagt es schlicht und präzise:
„Liebe und dann tue, was du willst.“

In diesem Sinne wünsche in Ihnen eine Woche voller Liebe und Wahrheit.

Ihr
Pastor Thomas Laufmöller

Gedanken und Impulse zum Sonntags-Evangelium
Joh 14,1-12

Liebe Gemeinde,

der Mensch, der nach Gott fragt, stößt automatisch auf existentielle Fragen des Lebens. Was sind die existentiellen Fragen des Lebens?

Ich denke diese:

  • Woher komme ich?
  • Wozu lebe ich?
  • Wohin gehe ich einmal, wenn mein Leben hier auf Erden zu Ende gegangen ist?

Der gläubige Mensch, der Christ, beantwortet diese Fragen so:

  • Ich bin in diese Welt gekommen durch die Liebe meiner Eltern. Aber nicht nur durch diese. Gott hat mich gewollt, er hat mein Leben gewollt und mein Leben ist beseelt durch den Geist seiner Liebe. Somit komme ich auch von Gott und er wird seine Liebe, die er von Anfang an in mich, in jeden Menschen, ja in jedes Geschöpft, hineingelegt hat, niemals aufkündigen. Sie bleibt für immer.
  • Die Liebe, auch Gottes Liebe, will leben, sie will sich entfalten im Alltag des Lebens, damit sie erfahrbar und wirksam wird. Und sie ist keine Einbahnstraße. Sie lebt davon, dass Liebende sich begegnen und sich gegenseitig Liebe schenken.

Deswegen lebt der Christ – ich möchte lieber sagen             „der Liebende“ –  im Wesentlichen daraus, Gottes Liebe zu suchen, sie zu empfangen und sie weiterzugeben an Gottes ganze Schöpfung.

  • Einmal werde ich ganz bei Gott sein, wenn meine irdischen Jahre zu Ende gegangen sind. Diese Sehnsucht liegt in der Natur des Menschen. Dass die Liebe niemals aufhört, dass sie den Tod überdauert, dass die Liebe zu Gott und gerade zu den geliebten Menschen über den Tod hinaus erhalten bleibt, davon träumt jeder Mensch – das ist sein Wesen, das ist seine Natur.

Dass diese Sehnsucht des Menschen erfüllt wird, davon erzählen die Heiligen Schriften, auch am heutigen Sonntag. Jesus sagt:

Ich gehe euch voraus, um euch eine ewige Wohnung zu bereiten. Wenn ich sie vorbereitet habe, dann rufe ich euch, damit auch ihr dort seid, wo ich bin, wo Gott ist, wo das Leben in Fülle ist, wo die wahre Liebe ist.

Jesus hat uns durch sein Leben die Liebe Gottes geschenkt.

Seine Liebe ist Weg, seine Liebe ist Wahrheit, seine Liebe ist Leben.

Der Apostel Thomas zweifelt schon wieder, das entspricht wohl auch seinem Wesen, das ist zutiefst menschlich. Zweifel können helfen, tiefer in das Geheimnis des Glaubens einzutauchen, wie Margot Käsmann es sagt: „ Im Zweifel glauben.“

Ich wünsche uns, dass die Zweifel uns nicht verzweifeln lassen, dass wir unserer Sehnsucht und unserer Natur treu bleiben. Das ist Liebe, niemals endende Liebe. Gott wird diese Liebe erfüllen – das ist und bleibt sein Versprechen, so steht es in den Heiligen Schriften – glauben und vertrauen wir ihnen.

Ihr

Pastor Thomas Laufmöller

4. Sonntag in der Osterzeit Joh 10,1-11
„Vertraute Beziehung“

Liebe Gemeinde,

in einer orientalischen Geschichte wird erzählt, dass einem Hirten bei Nacht seine Schafe gestohlen wurden. Da es noch früh am Morgen war, wusste er, dass der Dieb mit seiner Beute noch nicht sehr weit sein konnte. So lief er ins nächste Dorf, in dem die Viehhändler ihre Schafe zum Kauf anboten. Wie aber sollte er aus der großen Zahl der Schafe seine eigenen herausfinden?
Ganz einfach:
Er rief sie bei ihrem Namen und zugleich liefen die Schafe zu ihm, weil sie seine Stimme kannten.
Eine berührende Erzählung mit viel Glaubenskraft und Weisheit.

Schon bei der Geburt, beim ersten Atemzug des Schafes in dieser Welt, hört es die Stimme des Hirten, der gegenwärtig ist und sprechend sowie mit Gesten der Liebe das neugeborene Schaf empfängt. Niemals wird es die Stimme des Hirten vergessen, sie klingt in den Ohren und besonders in den Herzen der Schafe ein Leben lang.

Wenn meine Eltern zu Besuch kommen, dann schellen sie und Seo, mein Hund, fängt laut an zu bellen. Aber sobald meine Eltern ihre Stimme erheben und Seo diese wahrnimmt, wird sie sofort ruhig. Sie kennt die Stimmen meiner Eltern, sie sind ihr vertraut und das bewirkt in ihr eine innere Ruhe und einen inneren Frieden.

Das Bild des Hirten ist ein uraltes, wunderbares orientalisches Bild für Gott. Bis heute verbinden viele gläubige Menschen dieses Bild mit ihrer persönlichen Beziehung zu Gott.
Der Hirte ist stets an der Seite seiner Schafe, sie sind ihm das Wichtigste und Bedeutendste im Leben. Das Zusammensein mit den Schafen ist seine Lebensaufgabe, für sie möchte er leben. Vom Anfang bis zum Ende des Lebens sind sie zusammen und es wächst eine beispiellose und einmalige Beziehung des Vertrauens.
Mich berührt dieses Gottesbild immer wieder neu. Ich möchte mich hineinversetzen in das Vertrauen der Schafe.


Ich möchte mich selber immer wieder fragen:
Wieviel Vertrauen bringst du Gott entgegen?
Was tust du, um in seiner Nähe zu sein?
Wieviel Zeit schenkst du Ihm, damit Vertrauen wachsen kann?

Im Gebetsraum der Friedensschule, der Oase, stehen drei Schafe und zwei weitere „grasen“ vor meinem Arbeitszimmer – ebenfalls in der Schule.
Sie erinnern mich fast täglich an meine Liebe zu Gott, der uns in Jesus Christus in außergewöhnlicher Weise nahe gekommen ist.

Ich wünsche uns allen, dass wir wie vertrauensvolle Schafe die liebevolle Stimme Gottes in unserem Leben hören. Er will auch für uns der gute Hirte sein, der uns durch das Leben führen und sogar tragen wird, wenn uns die Kräfte fehlen.

In tiefer Verbundenheit.

Ihr
Pastor Thomas Laufmöller

Liebe Gemeinde!

  • Woher komme ich?
  • Wohin gehe ich?
  • Was macht mein Leben glücklich?

Sind das nicht die Ur-Fragen des Menschen und somit auch des Christen?

Und ist es nicht auch die Ur-Sehnsucht des Menschen, dass das Leben und die darin erfahrene Liebe niemals aufhören und somit ohne Grenzen sind? Ja, dass selbst die Grenze des Todes das Leben und die Liebe nicht beenden?

„Es ist nicht zu glauben“, so sagen wir oft in unserer Umgangssprache und meinen damit, dass manche Erfahrungen unseres Lebens unser Denken weit übersteigern.

Die verschiedenen Offenbarungs-Erzählungen nach Ostern verdeutlichen:

Die Jünger begreifen es nicht, sie können es nicht glauben, dass Jesus als der AUFERSTANDENE nicht mehr im Tod ist, sondern lebendig mit ihnen geht. Er geht anders mit, nicht mehr in seinem alten Körper, denn dieser ist ein für alle Mal gestorben und begraben. Sein Wesen geht mit. Die Jünger tun sich anfangs schwer, dieses, sein Wesen, zu erkennen. Erst als sie offen sind für seine Worte und Gesten der Liebe, spüren sie, dass ER da ist, anwesend ist in Gemeinschaft, beim Brotbrechen, durch andere Zeichen und Wunder. Auf einmal ist nicht mehr seine sichtbare Gestalt entscheidend, sondern sein Leben, seine Botschaft der überfließenden   Liebe und Gerechtigkeit, sein Wesen. Das ist ein Lernprozess, der nicht ohne Zweifel verläuft. Deshalb gibt es im Neuen Testament auch nicht nur eine Offenbarungserzählung, sondern mehrere. Dadurch sollen die Jünger in das Vertrauen der Liebe Jesu hineinwachsen. Immer wieder kommt Jesus als der Auferstandene auf sie zu, ER geht mit nach Emmaus oder wie im heutigen Evangelium an den See Genesareth. ER hilft ihnen, den Fischern, stärkt sie und sie finden Freude, Dankbarkeit und Lebensermutigung auch durch sein Mittun. Sie erkennen IHN nicht an seiner Gestalt, sondern an seinem Wesen, das Leben für alle ermöglichen will.

Das ist nun der entscheidende Punkt auch für uns:

Bin ich bereit, nach dem Wesen Jesu Ausschau zu halten?

Bin in offen und aufmerksam für die Heilszeichen, die Christus uns auch heute schenkt?

Dieses geschieht niemals nur durch unseren Verstand, es braucht unser Fühlen, Impulse von außen, unser Beten und unser Vertrauen, denn die Wahrheit ist nicht nur im Denken zu suchen und zu finden.

Deshalb bete ich jeden Morgen 20 Minuten in meinem Gebetsraum im Pfarrhaus. Ich öffne mein Herz für Christus und bekenne:

Ich gehöre zu IHM und vertraue auf SEIN Mitgehen durch den Tag. Das tut mir unendlich gut.

Abends gehe ich noch einmal in diesen Raum und lege den Tag in SEINE Hände zurück in dem tiefen Vertrauen:

Jetzt beschließe ich den Tag und einmal werde ich mein ganzes Leben in SEINE Hände legen.

Die Natur des Menschen – seine Sehnsucht – ist, dass die Liebe niemals aufhört. Wenn Christus die bedingungslose und grenzenlose Liebe des Vaters ist, dann weiß ich, wo diese Sehnsucht gestillt wird. Ich wünsche es Ihnen von Herzen.

Ihr

Pastor Thomas Laufmöller

Weisser Sonntag

Liebe Gemeinde,

wir Menschen stecken uns bestimmte Ziele – manche erreichen wir, wieder andere sind zu hoch gesteckt und manchmal sind es zu viele, so dass wir sie aus den Augen verlieren und ihnen deshalb nicht nachkommen. Es ist oft besser, sich weniger Ziele vorzunehmen, diesen aber aufmerksam, konzentriert und in Freude nachzukommen.

Gott – des Menschen Ziel, das war unser Ostergedanke und ich möchte ihn noch einmal zum Klingen bringen.

Wenn Gott das Ziel meines Lebens ist, dann habe ich eine Richtung, eine Ziel-Perspektive.

Wie aber komme ich an dieses Ziel?

Glauben heißt ja: In Beziehung leben zu Gott, der sich uns in besonderer Weise in Jesus Christus offenbart hat. Das Leben Jesu ist Maßstab, sein Wirken und seine Liebe geben uns Orientierung zum Ziel unseres Lebens, das Gott ist. Auf diesem Weg ist Gott stets an unserer Seite, ja ER zieht uns an, weil seine Sehnsucht der Mensch und seine ganze Schöpfung ist. Dieses Ziehen geschieht aber niemals unter Druck oder Zwang, denn Liebe ist Geschenk und geschieht in Freiheit. Wenn ich das Wort „Menschenfischer“ oder „Menschenfänger“ höre, dann verstehe ich das so, dass Gott nicht fängt, sondern unermüdlich für SEINE Liebe wirbt, immer wieder dem Menschen hinterherläuft. Gott kann nicht anders, weil seine Sehnsucht der Mensch ist, weil er pure Liebe ist.

Warum gibt es aber dann soviel Böses in dieser Welt, soviel Hass und Gewalt, soviel Dunkles und Trauriges, soviel Not und Ungerechtigkeit?

Weil wir in einer Welt leben, die zwar schon hier und heute von Gottes Geist der Liebe umspannt ist, aber die oft nicht zum Tragen kommt, nicht durchkommt, zurückgedrängt wird – besonders durch uns Menschen. Gott aber gibt nicht auf. ER geht mit uns durch die Zeit, ER ist nicht erst am Ziel unseres Lebens gegenwärtig, er berührt uns permanent, ja er zieht uns an, um uns für sein Reich der Liebe zu gewinnen. Wir aber erkennen das oft nicht, sind gefangen in unseren menschlichen Strukturen und Gefühlen. Wie oft kommen wir – wenn wir ehrlich auf uns schauen – aus diesen nicht heraus und tragen somit zur Lieblosigkeit bei. Gefühle und Gedanken von Hass, Gewalt, Egoismus und Eifersucht entstehen, weil wir verletzt sind und uns klein fühlen. So drängen wir die Gottesliebe immer wieder zurück.

Wir feiern heute den „Weißen Sonntag“. Den Täuflingen wird nach der Taufe ein weißes oder ein neues Kleid angezogen.

Mensch, bedenke dein Leben, denke um und kehre um, zieh symbolisch ein neues Kleid an, das Kleid Gottes, die Liebe Jesu Christi, die dich immer wieder berührt und anzieht. So wirst du dein Ziel erreichen und auf dem Weg dorthin Gottes Liebe spüren. Das wird dein Leben verwandeln, deinem Leben Sinn und Tiefe geben.

Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

Ihr Pastor Thomas Laufmöller

Gedanken zum Osterfest

Liebe Gemeinde,

Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“.

Er fragt uns heute: „Glaubst du das? Vertraust du meinen Worten?“ Und ich höre die Antwort von Goethe: „Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“

Einer der tiefsten Osterbotschaften im Neuen Testament ist für mich die Emmauserzählung. Die beiden Jünger können es nicht fassen, sie laufen davon, sind hoffnungslos. Aber sie gehen zu zweit mit ihrem Schmerz, sie lassen sich Zeit und sprechen von ihrer Trauer. „In den entscheidenden Fragen des Lebens gibt es keine Abkürzungen, da muss man sich Zeit lassen und Geduld haben,“ sagt Bischof Kamphaus.

Es wird Abend, es dämmert, sie kommen in Emmaus an nach einem langen Weg und als ER das Brot bricht wandeln sich ihre müden, traurigen und bleiernden Herzen zu brennenden Herzen. Am Ziel ihres Weges angekommen erkennen sie IHN, der die Auferstehung und das Leben ist. Seine Liebe lebt. Die ganze Liebe zu IHM, die sie zu seinen Lebzeiten so intensiv erfahren haben, kommt wieder zum Vorschein. Der Auferstandene ist der Lebendige, der grenzenlos Liebende. Mit dieser erfüllten Sehnsucht, die sie in diesem Augenblick spüren, brechen sie sofort auf – zurück zu den anderen, zurück nach Jerusalem, denn eine solche Erfahrung der Liebe kann man nicht für sich behalten.

Zu meiner Studienzeit in Münster hatte ich die Freude, Josef Pieper zu hören. Von ihm stammt das Wort:

„Glücklich ist, der sieht, was er liebt“

Die Jünger sind überglücklich, weil sie die göttliche Liebe gesehen und erkannt haben. Es ist wohl so, als würde der Himmel für einen Augenblick aufreißen und alle Sehnsüchte erfüllt werden. Ein Schein der Ewigkeit.

„Es könnte aber nicht den Schein der Ewigkeit geben, gäbe es diese überhaupt nicht“, so sagt es Karl Rahner.

Ich wünsche uns allen aus tiefsten Herzen, dass wir das glauben können. Vertrauen wir Jesu Wort, dass er die Auferstehung und das Leben ist und dass auch wir niemals tiefer fallen können als in SEINE liebenden Hände.

Und wenn es uns schwer fällt, so zu vertrauen, dann denke ich an frère Roger aus Taizé, der so oft in den Gottesdiensten gebetet hat:

„Komm, Herr Jesus, und entzünde in uns das Feuer Deiner Liebe!“

Ich wünsche Ihnen von Herzen gesegnete Ostern in der Freude des Auferstandenen.

Ihr

Pastor Thomas Laufmöller

Gedanken zur Osterkerze

Gedanken zu Karfreitag

Liebe Gemeinde,

Mensch in Krisen des Lebens – dieses Wort haben wir gewählt am Todestag Jesu, am Karfreitag.

Heute Morgen bin ich allein den Kreuzweg gegangen, den ich normalerweise zusammen mit den Christen der Jakobusgemeinde und unserer Stephanusgemeinde gehe. Es war eine neue und ungewöhnliche Situation, aber sie hatte auch Tiefgang. Immer wieder kam es zu einzelnen kurzen und intensiven Gesprächen mit bekannten und unbekannten Menschen, die meinen Kreuzweg kreuzten.

Das Volk Israel hat Höhen und Tiefen erlebt, es kommt in eine geistliche Krise durch die Verbannung nach Ägypten und Babylonien.

Wo ist Gott? Wir fühlen uns Gott-Verlassen.

Immer wieder fand dieses Volk Trost und Hoffnung im Glauben. Bei all den Fragen und Auseinandersetzungen mit Gott blieb ein Urvertrauen, das es nie verloren hat.

Jesus stirbt am Kreuz und schreit: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“. Auch er durchlebt eine große Glaubenskrise. Aber schließlich legt ER sein ganzes Vertrauen in Gott, den liebenden Vater:

„Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“

Ein Leben mit Krisen, mit Höhen und Tiefen, das hat auch ER gelebt. Aber auch ein Leben voller Wunder, ein Leben voller Gnade, das uns bis heute berührt.

Höhen und Tiefen, Berge und Täler, gehören zu unserem Leben. Jeder von uns muss versuchen, Leid in sein Leben zu integrieren. Ein Glück zu suchen, das Freiheit von Leiden und von Krisen bedeutet, das ist der sicherste Weg zum Unglück. 

Krisen bieten auch Chancen

Man beginnt zu reflektieren, neue und bessere Wege zu suchen, über den Sinn des Lebens nachzudenken, umzudenken und umzukehren.

Krisen schützen vor lähmender Zufriedenheit, die aufgehört hat, nach Erfüllung zu streben.

Krisen stoßen dazu an, nach Tiefe zu suchen und sie machen deutlich:

Mensch, du kannst nicht alleine leben und erst recht nicht überleben.

Du brauchst Gott, eigentlich immer, aber bestimmt in der größten Krise deines Lebens – im Sterben und im Tod.

Nur ER ist in der Lage, dass diese Krise für dich letztendlich zum Segen wird.

Und du brauchst einen geliebten Menschen an deiner Seite. Wir brauchen einander, wir schaffen Vieles nicht allein. Und nur mit und durch den geliebten Menschen kannst du dich weiterentwickeln.

Martin Buber hat das so formuliert: „Ich bin, weil du bist.“

„Ich mag dich leiden“. Ist es nicht seltsam, dass wir leiden sagen, wenn wir lieben meinen.

Lieben und Leiden gehören zusammen, sie sind zwei Seiten einer Medaille. Krisen gehören zum Leben, genauso wie Freude und Erfolg.

Einer, der liebt, wird immer auch leiden, er macht sich verletz- und verwundbar.

Und dennoch: Die Liebe ist und bleibt das Größte, wohl dem, der das erfahren hat – „wohl mir, dass ich Jesus habe“, denn ER ist die Liebe in Person. Gott sein Dank.

In Freud und Leid verbunden,

Ihr Pastor Thomas Laufmöller

Gedanken zum Gründonnerstag

Liebe Gemeinde,

Mensch in Gemeinschaft – so haben wir die Überschrift genannt für Gründonnerstag, als wir uns mit den Gedanken aus „Laudatosi“ von Papst Franziskus beschäftigt haben.

Jesus geht seinen Weg Zeit seines Lebens nah mit den Menschen, seine Sehnsucht ist der Mensch, seine Sehnsucht ist die ganze Schöpfung. Jesus sucht diese Gemeinschaft im Alltag, im Gebet, in der Eucharistie.

Und wir?

Wir müssen z. Z. Abstand halten, können und dürfen diese Nähe nicht leben. Das tut weh, das ist neu, das fordert heraus – aber ist unbedingt notwendig. Es ist ein Akt der Solidarität, der Nächstenliebe, gerade zu den Schwachen und Alten. Vielleicht ist das genau der Impuls der Fußwaschung an diesem Gründonnerstag, solidarisches Handeln-dem Leben dienen und Rücksicht nehmen.

Mein Vater kommt zwischenzeitlich zu mir, er bringt etwas zu essen, das meine Mutter vorbereitet hat. Er stellt das Essen vor die Haustür, dann machen wir einen Gang um die Kirche im Abstand von drei Metern und sprechen über das, was wir gerade denken und fühlen. Ich weiss, wie schwer es meinen Eltern fällt, gerade die Enkelkinder nicht sehen und umarmen zu können. Gott sei Dank gibt es das Telefon. Und Gott sei Dank gibt es das Gebet.

In der letzten Zeit habe ich viel telefoniert. In den Telefonaten musste ich nichts organisieren. Es ging rein um das persönliche Leben, um Fragen, Sorgen und Freude. In dieser Weise habe ich die Bedeutung des Telefonierens neu entdeckt und Stärkung und Liebe erfahren.

Jesus sagt: „Bleibet hier und wachet mit mir – wachet und betet“

Wie kein anderer konnte Jesus beten, wie kein anderer hat er die Tiefe des Gebetes erfahren und geschenkt bekommen.

Ich möchte Sie einladen mit dem Gesang: „Bleibet hier und wachet mit mir.“ einzutauchen in die Dimension des Gebetes. Im Gebet bleiben wir verbunden mit IHM und untereinander – und das ist viel, das ist sehr viel.

Eine gesegneten Gründonnerstag.

Ihr Pastor Thomas Laufmöller

Gedanken zum Palmsonntag

Der Mensch lebt zwischen Licht und Schatten, zwischen Freude und Trauer, zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.
Gerade am Palmsonntag wird für Jesus diese Wahrheit konkret.
Da rufen sie IHM zu: „Hosianna, hosianna“ – „Hilf doch, Gott“, das verbirgt sich hinter diesem Wort des Volkes. In diesem Moment erkennen viele Jesus Christus als das Licht der Welt, als Heiland, Erlöser und Retter.
Kurze Zeit später rufen sie: „Kreuzigt IHN, kreuzigt IHN“
Licht und Schatten – so dicht beieinander.

Jesus Christus ist das Licht der Welt und wir tragen sein Licht in uns. Er war in allem uns gleich, außer der Sünde – d.h. ER trägt das reine Licht der Liebe Gottes in sich und hat es in uns hineingelegt.

Wir Menschen tragen aber nicht nur das Licht, sondern auch den Schatten ins uns – das Böse, das Dunkle. Der Schatten kann aber nur entstehen, weil es das Licht gibt. Der Schatten ist nicht losgelöst vom Licht. Es gibt ihn, weil es das Licht gibt. Der Mensch trägt das Licht der Liebe Christi in sich, aber er wirft auch Schatten, weil er unvollkommen ist, weil er in seiner Freiheit wählen kann zwischen Licht und Schatten, zwischen Gutem und Bösem.

Papst Franziskus schreibt in „Laudatosi“
„Alles ist aufeinander bezogen, und alle Menschen sind als Brüder und Schwestern auf einer wunderbaren Pilgerschaft, miteinander verflochen durch die Liebe, die Gott für jedes seiner Geschöpfe hegt und die uns auch in zärtlicher Liebe mit Bruder Sonne, Schwester Mond, Bruder Fluss und Mutter Erde vereint“

Wir alle tragen das Licht Jesu Christi in uns und können es grundsätzlich nicht mehr aus den Augen verlieren. Hosianna.

Ihr
Pastor Thomas Laufmöller

Gedanken zum Thema Vater unser im Wochenbrief.

Liebe Gemeinde,
heute ist der 5. Fastensonntag oder anders gesagt der Misereor-Sonntag.
„Misereor“ heißt übersetzt: „Ich erbarme mich“
Schau hin, wie viele Menschen Not und Leid aushalten müssen und ich komme zu dir mit einem weiten und liebevollen Herzen.
Das große Hilfswerk „Misereor“ lenkt unseren Blick heute nach Syrien und in den Libanon. Durch die weltweite Corona-Krise rückt die bedrückende Situation der Flüchtlinge in und aus Syrien weit in den Hintergrund.
Im 9. Jahr des Bürgerkrieges in Syrien sind mehr als 500 000 Menschen getötet worden, davon unzählige Zivilisten. Nach so vielen Jahren tritt Ernüchterung ein. Mutlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst bestimmen das Leben dieser bedrängten Menschen.

„Gib Fr!eden“ – so lautet das Thema von Misereor in diesem Jahr.
– Was bedeutet Frieden für mich?
– Warum ist Frieden wichtig?
– Was kannst du tun, um Frieden zu schaffen?
– Warum fällt es den Menschen oft so schwer, in Frieden zu leben?
– Was hat Frieden mit Gott zu tun?
– …

Ein Gebet nach Pirmin Spiegel:
Genug der Kriegsnachrichten.
Das ist nicht mehr auszuhalten.
Wir können eh nicht daran ändern.
Du kannst…
wegschauen, sprachlos werden, ausweichen, weglaufen.
Doch der Krieg verschwindet trotzdem nicht.

Schau wieder hin!

Finde dich nicht mit dem Unrecht ab!
Höre die traurigen Geschichten der Menschen!
Lass dich berühren vom Schmerz und Leid der anderen!
Höre die Schreie der Ertrinkenden?
Und das flehende Rufen der Flüchtlinge: „Europa, wo bist du?“

Was kannst du tun?
– Halte Stille und lass das Leben dieser Menschen in dein Herz.
Lass dich von der Not der Menschen berühren.
– Bete für die Menschen in Not, dass sie Gottes Liebe gerade jetzt spüren, dass sie die Hoffnung nicht verlieren, dass sie zuversichtlich sind und bleiben, auch wenn es schwer fällt.
– Bete für die Menschen, die Kriege fördern, die nicht aufhören, Gewalt auszuüben, dass Gott ihnen Wege des Friedens und der Barmherzigkeit zeigt.
– Bete für alle, die in den Kriegsgebieten für Liebe und Menschlichkeit sorgen und dabei das eigene Leben riskieren.
Dass sie auch unter Gottes Kraft und Ermutigung finden.

Bastle eine Friedenstaube
– Schreibe deinen Friedenswunsch auf die Taube

Bete das Vater unser
– Das Vater unser verbindet uns in besonderer Weise mit Gott, dem liebenden Vater und untereinander. Mach dir diese Verbundenheit bewusst.
– Bedenke besonders die Bitte:
– „Und vergib uns unsere Schuld“ / Bedenke Situationen deines Lebens,
in denen du Unfriede gestiftet hast
und bekenne es vor Gott.

Empfange Gottes Segen
– Stelle dich unter Gottes Segen, indem du ein Kreuzzeichen machst
– Oder lass dich von einem lieben Menschen segnen / sie oder er kann ein Kreuzzeichen auf deine Stirn zeichnen

Ein Lied zum Abschluss
– Wartet nicht, zündet an das Friedenslicht (zum Hören Klicken Sie auf der rechten Seitenleiste).

Mensch, wohin gehst du?

Das ist unsere Impuls-Frage am 4. Fastensonntag.

Bei dieser Frage kommt mir als erstes der Gedanke, dass man nicht nur nach vorn schauen, sondern sich auch umschauen sollte. Was hinterlässt man eigentlich auf seinem Weg?

„Nach mir die Sintflut“ ist ein beliebtes Motto, aber es ist unmenschlich.

In einer Gesellschaft sollte es nicht nur um Fortschritt gehen, denn dabei bleiben die Schwachen oft auf der Strecke.

Meiner Meinung nach geht es aber um einen sinnvollen Weg, der alle Wesen fair und mit Liebe behandelt.

An höchster Stelle steht Herzensbildung, gefolgt von einem steten Horchen darauf, was das Herz wählt. Darauf kann man vertrauen.

Das lateinische Wort „cor-dare“ meint, dass man Gott, den Mitmenschen, sich selbst und der ganzen Schöpfung mit einem weiten Herzen begegnet – liebevoll, aufrecht und wahrhaftig.

Indem man auf sein Herz vertrauensvoll horcht, verschenkt man es – und zwar an den, der in der Tiefe des Herzens ist. Das ist Gott als die Liebe selbst.

Im ersten Buch Samuel hören wir am 4. Fastensonntag diesen Gedanken:

„Der Mensch sieht, was vor den Augen ist,

Jahwe, der Herr, aber sieht auf das Herz.“ (1 Sam 16,7)

„Forme unser Herz, Christus, nach Deinem Herzen“,

so heißt es in einem Gebet, denn dann werden wir für andere zum Segen.

Gott, wohin wir auch gehen, mögen wir mit offenem und weitem Herzen gehen, denn dann „spiegeln wir den Strahl der unendlichen Weisheit Gottes wieder“ (Papst Franziskus in Laudatosi)

Gott, segne Sie.

Ihr

Pastor Thomas Laufmöller

Liebe Gemeinde,

Jeden Tag sitze ich dort und bete für Sie, für alle, die mir am Herzen liegen und auch für mich.

Ich bete gerne mit Bildern. Deswegen sitze ich gerne in der Marienkapelle und schaue auf die Symbole unserer „Fastenkrippe“

Als ich unsere neue Osterkerze in der Sakristei liegen sah, dachte ich mir: „Die Osterkerze, Symbol der Auferstehung Jesu Christi, unseres Herrn, sie muss jetzt den Menschen zugänglich gemacht werden.

Deshalb habe ich sie in unsere „Fastenkrippe“ hineingestellt, damit die Menschen mit all ihren Fragen, Sorgen und Nöten das Licht nicht übersehen, das uns umgibt.

Christus ist das Licht der Welt, seine Liebe leuchte, immer, aber gerade in den Bedrängnissen unseres Lebens.

Wenn ich alleine in der Kirche sitze, dann singe ich immer. Singen befreit, singen gibt Mut, singen berührt das Herz. So möchte ich Ihnen gerne ein Lied ans Herz legen, das wir bislang in jeder Fastenzeit gesungen haben und mich gerade in dieser Lebenssituation sehr berührt.

Lied (Gedanken zur Osterkerze) Zum Hören Klicken Sie auf der rechten Seitenleiste.

  • „Wer macht uns Hoffnung, wer baut uns brücken?
  • Wer spricht das Wort, das erlöst und befreit? (Refrain)
  • Sprich zu uns, Gott, ein Wort das bewegt, sprich zu uns, Gott, ein Wort das bewegt.
  • Schenke uns, Gott, die Hoffnung die trägt, schenke uns, Gott, die Hoffnung die trägt.
  • Halte uns, Gott, sei du unser Weg, halte uns, Gott, sei du unser Weg.

Gott segne Sie.
Ihr Pastor Thomas Laufmöller

Lied zum 5. Fastensonntag

Ansprechpartner

Thomas Laufmöller
Pastor und Schulseelsorger der Friedensschule Münster
Tel. 0251 72599
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Pfarrbüro Aaseestadt

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